Musik bleibt Musik bleibt Musik bleibt Lifestyle
Teil I: Punk Punk Komma Strich, fertig ist das Arschgesicht
Ein kurzer Spaziergang durch die nächst größere Stadt genügt, um sich der Vielfalt an Stereotypen in unserer Gesellschaft vor Augen zu führen. Es liegt in der Natur des Menschen die Umwelt in Gruppen und Kategorien einzuordnen. Niemand, auch nicht der größte Moralist unserer Zeit, kann sich von dem Trieb freisprechen, Menschen nach dem Äußeren zu bewerten und innerhalb kürzester Zeit in ein Schema zu zwängen. All dies resultiert aus dem verzweifelten Versuch, die komplexe Welt um uns zu vereinfachen und suggeriert uns ein trügerisches Wissen über unsere Mitmenschen. Kaum hat man seinen Gegenüber in eine Schublade gesteckt, glaubt man sein Wesen bis ins kleinste Detail ergründet zu haben. Die musikalischen Vorlieben des jeweiligen Beobachtungsobjektes tragen dabei zu einem wesentlichen Teil zu dessen Verhalten und Aussehen bei, mal mehr mal weniger ausgeprägt.
Bei meinem kleinen Stadtspaziergang werde ich nun einmal versuchen all das Gesindel das mir über den Weg läuft auf das Aussehen zu reduzieren und einer musikalischen Sparte zu zuordnen . Nicht weil ich ein unbedingt engstirniger Mensch bin, sondern einfach nur weil es Spaß macht.
Nun gut, beginnen wir unsere Reise am Bahnhof, schließlich ist der die Anlauf- und Sammelstelle aller möglichen Menschen aus jeder erdenklichen Gesellschaftsschicht.
Vor allem in größeren Städten treffen hier vornehmlich zwei äußerst verfeindete Gruppen aufeinander, nämlich Menschen rechts- und linksextremer Einstellung. Wir wollen sie im folgenden Braune Scheiße und Punks nennen. Die Ersteren sind mit Springerstiefeln und Bomberjacken bekleidet und tragen oft einen stets modischen Kurzhaarschnitt. Wie man die bevorzugte Musikrichtung dieser Deppen nennen mag, will ich eigentlich gar nicht wissen… vielleicht Lärm, Müll oder „braune Mucke“? Ich weiß es nicht, möglicherweise hören sie auch nur Hetzreden von Adi und Konsorten. Lassen wir das.
Wenden wir uns lieber den Punks oder Punkern zu, welche meist demonstrativ nichts tuend auf Bänken und Mauern sitzen. Äußerlich fallen sofort die sehr gewagten Frisuren auf, die einem in allen Regenbogenfarben entgegenleuchten und dank absichtlich einrasierter kahler Stellen nur einen Bruchteil des Skalps bedecken. Gel und seltener Kontakt mir Wasser sorgen dafür, dass das Haupthaar in jede beliebige Richtung zu Stacheln aufgestellt werden kann. Ansonsten, viel Metall in Gesicht und sonst wo, viel Leder und Jeansstoff am Rest. Auffallend sind hier wieder einmal die Springerstiefel, welche getragen werden um Symbole der verfeindeten Faschos abzuschwächen.
Bei der Punkmusik selbst muss man zwischen verschiedenen Unterarten unterscheiden. Der klassische Punkrock zeichnet sich durch einfache aber treibende Rhythmik, wenige Akkorde (die berühmten drei Akkorde) und Grölgesang aus und verkündet die altbekannte „no future“ Aussage dieser Bewegung. Die zugrunde liegende anarchistische Dynamik äußert sich bei Konzerten im so genannten Pogo, bei der sich die Menge durch brachiales herumspringen und schubsen in einen Trance ähnlichen Zustand bringt, im Alltag durch schlichtes Nichtstun.
Andere Arten des Punkrocks und deren Vertreter findet man weniger auf Bahnhöfen als an wohnlicheren Orten. Anhänger des Emo-Punks (von emotional) findet man eher zu Hause, wo sie im Stillen leiden und cool sein können. Ihr Aussehen ist stark von der Skaterszene geprägt, was sich beispielsweise durch legere Kleidung wie Kapuzenpullis und Stoffhosen oder auch stark asymmetrische Langhaarfrisuren äußert. Oftmals schminkt sich der geneigte Emo-Punker noch die traurige Fresse mit ein wenig Liedschatten, um auch stilecht zu leiden, was ihn in gewisser Weise der Gothic-Bewegung nahe bringt. Der Emo-Punk zählt inzwischen eher zum Pop-Sektor der Musik (welcher später ausführlich behandelt werden soll), da jede Wurst die gerne ein Rockstar wäre sich eine Gitarre umlegt, verwaschene Standardriffs runternudelt und ins Mikrofon einen Cocktail aus Herzschmerz ,Streetcredibility und Partylaune heult als gäbe es kein Morgen mehr. Bekannte Vertreter diese „Musik“-Richtung sind Tokyo Hotel und Good Charlotte, wobei die letzteren ein wirklich hartes Los gezogen haben, müssen doch die meisten Bandmitglieder tatsächlich im heruntergekommenen Beverly Hills leben… Manchmal ist Suizid eben doch nachvollziehbar.
Ähnlich heimelig mag es der Spaß-Punker oder Fun-Punk. Die Musik ist ebenfalls einfach gehalten, transportiert aber eher positive Botschaften oder ist gänzlich komödiantisch gemeint. Bekannt sind vor allem die frühen Blink 182 und die Ärzte, wobei deren texte oft von hintergründigem Humor und Ironie zeugen.
Schließlich gibt es noch den Art-Punk, dessen Mitglieder oft im Alltag auch als Künstler, Lyriker oder Ähnlich intellektuelles Volk vor sich hin artelt. Erwähnesnwert sind hier beispielsweise Franz Ferdinand oder the Velvet Underground.
Im nächsten Teil unseres Stadtbummels widmen wir uns dann dem bizarren Phänomen der Popmusik, ein wenig später begeben wir uns hinab in gänzlich düstere Gefilde und abschließend stellen wir den Hip Hop der intelligenten Musik gegenüber… Stay tuned!
flawless!?
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