Here it is, the longed for guest post by my friend flawless. He’s a superb artist and I’m proud of having the opportunity to publish his well-written article about “Fractal Art” on my blog.
You can visit flawless online at use-her-name.deviantart.com and at theotherwayround.blogspot.com.
# # #
frangere (lat.: zerbrechen)
Für die meisten Menschen ist die Mathematik nichts weiter als ein nützliches Werkzeug, das einem beim Einkauf hilft und einem klar macht, dass man auch in 10 Jahren das Eigenheim noch nicht ganz abgezahlt haben wird. Mit Grauen mag einer an die Schulzeit zurückdenken und sich an zahllose Unterrichtsstunden voll dröger und oftmals erschreckend komplizierter Rechenoperationen erinnern… interessant allenfalls für Wissenschaftler, die den Spin eines Quarks im 12 Orbital eines Kohlenstoffmoleküls errechnen wollen.
Doch dass die Mathematik weit mehr als das sein kann, ja dass sie sogar eine nachvollziehbare(!) Schönheit besitzt, mag man kaum glauben. Die „Fraktale Kunst“ jedoch beweist genau das.
In den letzten 30 Jahren hat sich, angetrieben durch den rasend schnellen Fortschritt der Computertechnologie, eine Kunstströmung entwickelt, welche einzig und allein auf mathematischen Phänomenen beruht. Den Stein ins Rollen brachte vor im Jahre 1975 der Computerwissenschaftler Benoit Mandelbrot, der mit seinem berühmten „Mandelbrotmännchen“ eine computergenerierte Darstellung einer mathematischen Iteration schuf und diese als „Fraktal“ bezeichnete.
Ein Fraktal beschreibt die Visualisierung einer mathematischen Operation, deren Eigenschaften und Details sich unendlich wiederholen. Einmal visuell umgesetzt ergeben diese Gleichungen Bilder von faszinierende Tiefe und abstrakter und unwirklicher Schönheit (siehe Weblinks). Oftmals besteht das Objekt aus kleineren Kopien seiner selbst, ein Prinzip welches auch in der Natur häufig Anwendung findet. Die Verästelung von Bäumen oder auch dem Blutkreislauf der Säugetiere entspricht ebenfalls diesem Prinzip.
Doch trotz des an sich sehr komplexen Grundprinzips dieser Kunst sind die meisten Menschen, welche in Bereich der fractal art tätig sind weder Mathematiker noch Künstler im ursprünglichen Sinne. Dank frei erhältlicher Programme wie „Apophys“ oder „Ultra Fractal“ kann Jeder zum Fraktalkünstler werden. Die mathematischen Formeln werden durch Parameter ersetzt, beispielsweise Haupt- und Übergangsfarben, Grundformen etc., welche dann vom Nutzer nach Belieben verändert werden können. Das Programm selbst errechnet daraus in kürzester Zeit das Bild. Die meisten Bilder sind also mehr Zufallsprodukte, welche meiner Meinung nach aber nicht als Kunst durchgehen. Die einfache Bedienung und die Zugänglichkeit der Software sorgen dafür, dass sich diese Kunstform großer Beliebtheit erfreut. Inzwischen wird das Internet von Pseudokunstwerken geradezu überflutet.
Es gibt allerdings auch Ausnahmen: Einige Künstler, darunter oft professionelle Computerkünstler oder Grafikdesigner, versuchen ihre Fraktale mit Konzepten zu versehen und sich entsprechend in die Materie einzuarbeiten. Den Besten unter ihnen gelingt es sogar, realitätsnahe Landschaften und Figuren mit mathematischen Funktionen zu erstellen.
Besonders hervorzuheben ist hierbei der belgische Ingenieur Jos Leys. Gemäß dem Leitspruch „delectare et prodesse“ orientieren sich seine Werke immer an aktuellen mathematischen oder statischen Problemen. Seine Bilder werden in Fachkreisen sogar zur Erklärung und Lösung eben dieser genutzt, auch wenn er sie ursprünglich aus reinem Eigeninteresse erstellt hat.
Die Fraktalkunst ist eine moderne und faszinierende Kunstrichtung, die es wert ist, einmal genauer betrachtet zu werden. Zwar ist nicht alles Kunst was glänzt, doch die wahren Meisterstücke schaffen es mühelos den Betrachter in ihren Bann zu ziehen und bringen ihn der Idee der Unendlichkeit ein wenig näher.
flawless!?
Schöne Beispiele für Fraktalkunst
Jos Leys Homepage